Oh du schrecklich Fröhliche – Weihnachten mit Depressionen

Auch an Weihnachten dreht sich es sich bei mir nicht nur um Ruhe und Besinnlichkeit sondern auch, wie sollte es anders sein, dreht es sich um meine Gedanken und um meine Krankheit. Das Weihnachtsfest mit Depression und Borderline ist natürlich alles andere als einfach. Aus diesem Grund möchte ich Euch einen kleinen Einblick in meine Seelenwelt rund um die Feiertage geben.

Weihnachten, Weihnachtsbaum, Urlaub, Blau, Dunkel

Alle Jahre wieder. Wenn die Verwandtschaft Wochen vorher anruft und fragt, wie das denn jetzt wäre. Mit dem Weihnachtenfeiern und so. Schließlich muss alles geplant werden. „Du kommst doch, oder? Du kommst doch.“ Ist doch Weihnachten. Da hat man sich zu treffen. Da gibts nichts anderes. Da wären alle enttäuscht und fänden es äußerst komisch, wenn du es nicht tätest. Dabei stresst mich das schon wieder. Alles stresst mich um diese Jahreszeit. Das Graue, das Kalte, die Massen auf dem Weihnachtsmarkt und in den Kaufhäusern, das Drängeln der Verwandtschaft, das Reingepresstwerden in die Traditionen – das Auf-Knopfdruck-fröhlich-sein.

Vielleicht möchte ich das alles aber gar nicht? Vielleicht bin ich gerade dazu nicht in der Lage? Vielleicht brauche ich mal die Stille? Vielleicht möchte ich die Verwandtschaft nicht sehen? Vielleicht möchte ich selbst entscheiden, was ich an Weihnachten tue oder nicht tue? Weil das ganze Jahr schon so verdammt anstrengend war und sich meine schwarze Freundin meldet und mich in die Knie zwingt: Ausruhen, Laura. Ausruhen!

Weihnachten mit Depressionen ist nicht lustig. Vor allem nicht für die Verwandtschaft. Schließlich gibt es diese Erwartungen. Auf beiden Seiten. Sie erwarten von mir, dass ich komme und das Fest zelebriere. Und dass ich die totale Harmonie verkörpere. In einer trüben Phase ist das nahezu unmöglich. Das wäre so, als wenn man einen Beinamputierten zum Laufen zwingen würde. Und ich erwarte von ihnen, dass sie meine traurige Stimmung ertragen. Und Verständnis haben. Am Ende des Festes sind alle enttäuscht, weil die imaginäre Lasst-uns-fröhlich-sein-denn-es-ist-Weihnachten-To Do-Liste nicht abgehakt werden kann. Verdammt!

Aus meiner Sicht gibt es nur eine Quintessenz: Loslassen! Die Bilder im Kopf, die Traditionen, die starren Vorgaben, die Hoffnungen, die Ansprüche, die Perfektion. Ja, ich könnte auch Nein sagen und alleine Weihnachten verbringen. Das stelle ich mir gar nicht mal so schlimm vor, wenn man sich darauf einlassen würde. Aber im Grunde will ich das gar nicht. Die Verwandtschaft ist mir schon wichtig. Und auch wenn ich das Bedürfnis nach Alleinsein habe, brauche ich die Energie der Gemeinschaft, um aus dem Loch wieder heraus kriechen zu können. Ich möchte aber auch frei sein und selbst entscheiden.

Vielleicht setze ich mich mit an den Tisch, aber stehe nach einer halben Stunde wieder auf, weil es mir zu viel wird. Vielleicht packe ich ein Geschenk aus, aber kann mich darüber nicht freuen, weil ich keine Emotionen spüre. Vielleicht weine ich plötzlich – entgegen der Harmonie -, weil irgendwas gerade raus muss. Vielleicht werde ich nach einem Tag wieder gehen, weil ich meine Grenze erreicht habe. Und vielleicht werden alle anderen darüber traurig sein, komisch kucken oder eine Bemerkung machen. So what!

Bleiben wir doch mal alle authentisch. Du, ich, wir. Und werden wir doch alle mal gelassener. Und lasst uns darüber fröhlich sein, dass wir alle unterschiedliche Wesen sind. Weihnachten ist -fernab von der religiösen Geschichte – auch ein Lehrmeister: Miteinander statt Gegeneinander!

Ich wünsche Euch und euren Lieben ein wundervolles Weihnachtsfest, besinnliche und erholsame Feiertage und allen Betroffenen weiterhin viel Kraft.

Bunte und dunkle Grüße

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